Ist ein klimaneutrales Europa bis 2050 möglich?

12. August 2020

Solar Power Europe hat zusammen mit der Universität LUT einen sowohl optimistischen als auch realistischen Bericht verfasst, in dem prognostiziert wird, wie das Ziel des Pariser Abkommens erreicht werden kann, und dabei drei Transformationspfade mit unterschiedlichen Ambitionen miteinander verglichen. Das Ergebnis: Ein Pfad der weniger ehrgeizig ist, wird für Europa auf gesellschaftlicher und auch wirtschaftlicher Ebene, wesentlich teurer. Die Motivation für den Bericht bestand vor allem darin, der Welt zu zeigen, dass Europa bereits im Jahr 2040 100 % erneuerbare Energien erreichen kann, wenn es schon heute eine Führungsrolle einnimmt.

Wirtschaftliche Belohnung für heutiges Handeln

Spannend an dem Bericht ist vor allem die wirtschaftliche Belohnung, die auch durch den jüngsten Bericht „Beyond the crises: renewable energy for a low carbon future“ von IRENA unterstützt wird. Je schneller wir jetzt handeln, desto mehr Arbeitsplätze werden wir schaffen und desto größer werden die Einsparungen sein. Das bedeutet, dass die Entscheidung für 100 % erneuerbare Energien nicht nur aus politischen und ökologischen Gründen getroffen werden muss, sondern auch, um starke und gesunde Volkswirtschaften zu schaffen. Der Bericht der IRENA behauptet, dass das BIP jedes Jahr von 2021-2023 um 6% steigen wird, wenn Investitionen in den Sektor der erneuerbaren Energien getätigt werden. Die Corona-Epidemie sollte als Chance genutzt werden, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, die Vorteile zu nutzen und sofort zu handeln, so IRENA.

Wie erreichen wir die Ziele?

Um die globale Erwärmung unter 1,5 Grad zu halten, sind Maßnahmen erforderlich, die über das Erreichen einer 100% sauberen Energieversorgung hinausgehen. Ein entscheidender Faktor ist dabei die Elektrifizierung in allen Sektoren, um die Effizienz zu erhöhen und den Systemen einen sehr geringen Energieverlust zu ermöglichen. Besonders wichtig ist dies in der Wärme- und Transportindustrie. Das Führungsszenario aus dem Solar Power Report geht von einem Wirkungsgrad von 96% zwischen Endenergieausstoß und Primärenergieeinsatz aus. Gegenwärtig liegen die Hebel bei etwa 80% und die Branche erlebt ein rasantes Wachstum. Für Europa besteht ein Hauptfaktor für das Erreichen dieser Zahl darin, die Wärme- und Kühlsysteme mit neueren und effizienteren Technologien auf den neuesten Stand zu bringen. Wenn wir Energiesysteme mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien haben, werden wir einen noch höheren Umwandlungswirkungsgrad haben und können eine Vielzahl von Energiedienstleistungen mit geringerem Primärenergieeinsatz erbringen.

Solarenergie als tragende Säule des Energiesystems

Darüber hinaus beschreibt der Bericht die Rolle der Solarenergie als absolut unerlässlich. Solarenergie ist die günstigste Energiequelle und für viele Länder und Standorte in hohem Maße anwendbar.

Es ist daher nicht überraschend, dass der deutsche Solardeckel von 52 GW vor einigen Monaten gestrichen wurde und dass Italien mitten im Corona-Virus den Menschen anbietet, mit dem Öko-Bonus kostenlos Sonnenkollektoren zu installieren. Wenn die Solarenergie-Industrie im Jahr 2050 einen Energieanteil von 60% erreicht, würde sie schätzungsweise Arbeitsplätze für mehr als 4 Millionen Menschen in Europa schaffen und somit eine tragende Säule des Energiesystems werden.

Das schiere Volumen der Solaranlagen wird mindestens 7,7 TW betragen (ausgehend von 150 GW heute!). Das bedeutet eine jährlich installierte Kapazität von rund 250 GW/Jahr – ein 10-facher Anstieg im Vergleich zu 2019.

Zur Newsübersicht Nächster Beitrag